Schule in Markneukirchen 1891-1893

Hier (Hohenstein-Ernstthal) kam ich auch in die Schule. Mein Lehrer war sehr liebenswürdig, nur von der anderen Seite. Der prügelte die ganze Klasse, daß es nur so hagelte. Heinig hieß dieses Ekel von Schulmeister.

Meine Eltern nahmen mich wieder aus der Schule heraus und brachten mich nach Markneukirchen zu meinen Großeltern, welche aber nicht mehr in der Egerstraße, sondern Breitestraße wohnten im sogenannten Walterkasslerhaus (später Roth und Lederer). Auf der anderen Straßenseite floß der Mühlgraben entlang. Heute fährt die Eisenbahn dort. Ich besuchte nun hier die Schule. Ist jetzt das Rathaus.

Mein Lehrer, Herr Roßbach, war der Sohn eines Freundes meines Großvaters. Es war dies im Jahre 1891. Da jedoch die neue, jetzige Schule fertig wurde, hatte ich die Ehre, dieselbe mit einzuweihen und darin Unterricht zu erhalten. Daß ich 8 Jahre später darin die Fachschule für Musikinstrumentenbauer besuchte und weitere 10 Jahre später im Schulsaale mir meine treue Frau angetraut wurde, hätte ich nicht gedacht.

Von 1891 bis etwa 1893 verlebte ich eine Kinderzeit in Markneukirchen, die mit der Feder schwer zu beschreiben ist, so herrlich. Wie oft hat man mich aus dem Mühlgraben herausgeholt. Zum Glück waren fast immer nur 20-30 cm hoher Wasserstand. Aber „’s gout Bübel“ wurde nicht geschlagen deshalb.

Da das Brauhaus gleich daneben war, auch heute noch, war ich oft dort und der Brauer, Herr Tauscher, gab mir und den anderen Spielgefährten Bier. Daß ich da lustig wurde, kann man sich denken. Mein Großvater ging mit mir Sonntags oft nach dem Stääknock (Friedlicher Stein), Schützenhaus, Grüner Tangel (?), Schönlinder Wirtshaus, oder zum Brückner auf den Berg. Auch zum Nürnberger (Heiterer Blick) und in die „Bleibe“ auf der Platte. Da gab es immer Würstel mit Semmel, auch oft zweimal.

Als wir mal im nahen Schönlind waren, im Sommer, interessierte ich mich für den Bierhahn. Das Faß lag angezapft auf einem Bock im Hausflur. Ich drehte an dem Bierhahn herum, sodaß das Bier herauslief, bekam aber den Hahn nicht wieder zu. In meiner Angst lief ich davon und sagte auch nichts. Da aber auch niemand bei dem Faß stand, lief es eben leer, also alles auf den Fußboden. Man bekam aber doch heraus, daß ich es war. Ich erhielt tüchtige Prügel und mein Großvater hat das Bier bezahlt.


1 Kommentar

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.