1950 – 1952

1950 – Ab Juni wurde ich Rentner, da ich am 29.Juni 65 Jahre alt ward. Ich bekam monatlich die hohe Summe von 75.60 Mark. Zum Verhungern zu viel und zum Leben zu wenig – doch ich hatte meine Arbeit. Es wurde dann einmal vor einer sog. Wahl 10 M. für die Frau und 10 M für mich (durch Regierungsbeschluß für alle Rentner) die Rente erhöht.

1951 – Im Juni 1945 zogen die Ami ab und dafür die Russen ein. Da war oft was los. Man ging abends nicht gern durch die Straßen. Wer nicht mußte, blieb daheim. Unserer Schwiegertochter Gertrud hat man ihren Trauring von der Hand gestohlen. Es ließe sich so manches anführen.
Da geschah es, daß ich am 19.April 1951 nachm. 1/4 4 Uhr, etwa 2 Min. von meiner Wohnung entfernt, auf dem Bürgersteig von einem Auto (Russen) überfahren wurde. Ich lag dadurch mit Gehirnerschütterung, Schädelbruch und linksseitig Rippenbrüche 3 Wochen im Krankenhaus St.Georg. Nach dieser Zeit wurde ich von unserem Hausarzt behandelt bis Ende Juni. Dann konnte ich wieder etwas anfangen mit arbeiten. Im Krankenhaus hatte man mich während der 1. Woche aufgegeben.

Ab 1.März 1951 ist Hans und Hilde nach Köln, in Hansens Heimat, übersiedelt. Dort geht es ihnen gut und können jedes Jahr 3 Wochen zum Wintersport in die Berge, nach der Schweiz, Österreich, Italien usw. reisen. Und wir ??? Nur jedes Jahr nach dem Vogtland.
Betr. meines Autounfalls muß ich noch bemerken, daß ich nach 3/4 Jahr erst von der DVA (Deutsche Versicherungsanstalt) die Entschädigung in Höhe von 500 M erhalten habe. Ich könnte noch was anderes darüber schreiben über das Verhalten gewisser Stellen, will aber darüber lieber schweigen. Vielleicht ein anderes mal.

 

1952 – Beitritt zur Handwerkskammer.

Es ging nicht anders, da ein Geigenbauer in Leipzig Lindenau, Götzstraße 4, namens Rudolf Elker, mich bei der Kammer angeschwärzt hatte. Den Gewerbeschein wollte ich natürlich nicht verlieren. Deshalb trat ich in die Handwerkskammer ein. Die veralteten Gewerbescheine wurden dann 1954 einmal umgetauscht. Da ich nun Jahre vor 1952 nicht zu dieser Kammer gehörte, wollte man mir keinen neuen Schein ausstellen. Da hat sich ein Herr Stammer, mit dem ich geschäftlich zu tun habe, und mit dem Leiter der Handwerkskammer sehr gut bekannt war, bemüht, und ich erhielt den neuen Schein. Inzwischen ist schon wieder eine Umschreibung gewesen auf Grund der Dringlichkeit. Ich habe den Gewerbeschein wieder bekommen, da ich als einziger Zupfinstrumentenmacher in Leipzig anerkannt bin. Nun ja, O Saneta Simplicitus!

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