1905 Marie Schuster

Nun begann die Zeit der Liebe. Zwar wählte ich erst noch lange, denn ein junger Mann, der aus der Fremde zurückkam, hatte ein gutes Ansehen bei der Damenwelt in Markneukirchen. Da lernte ich eines Sonntags im Kaffee Piesendel ein Mädchen kennen. Hübsch und rote knallige Wangen. Sie war, wie sie erzählte, wenige Tage zuvor aus Genf (Schweiz) zurückgekehrt. Und wer war sie? Das kleine Schulmädel, das ich schon erwähnte als ich noch lernte.
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1904 Ein Abstecher nach Berlin

Aber mein Drang in die Ferne, oder wie man dort sagte, in die Fremde, ließ mir nicht Ruhe. Da schrieb mein ehemaliger Fachschulkamerad Eugen Wettengel aus Berlin, ich solle doch hinkommen, sein Meister brauche noch jemanden. Ich überlegte nicht lange, kündigte meine Arbeit und da ich schon geraume Zeit nicht bei meinen Eltern war reiste ich erst mal nach Halle/Saale. Hier erfuhr ich von Wettengel, daß es nicht so eilig gewesen wäre. So blieb ich in Halle bei meinen Eltern und wartete ab.
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1902 nach der Lehre

Wenn ich nun als junger Mensch oft zum Frühstück oder Vesper mit dem Kaffeekrügel und einem dicken Stück Brot vor der Haustür stand, da sah ich aus dem Haus gegenüber immer ein Schulmädchen herauskommen. Später zogen deren Eltern in das Haus meines Onkels und Lehrmeisters. Wenn man mir gesagt hätte, dieses Kind wird mal deine Frau, ich hätte das für Unsinn erklärt.
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1899 Lehre in Markneukirchen

Also Ostern 1899 kam ich in die Lehre nach Markneukirchen. Was ich an harten Kinderjahren durchgekostet habe, verwandelte sich von nun an in bessere Zeiten. Wenn auch zu Anfang nicht alles so war wie es sein sollte und mußte, so gab sich alles mit der Zeit. Ich wurde fröhlicher. Ich besuchte die Fachschule für Musikinstrumentenbauer mit gutem Erfolg.
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1899 Konfirmation und Erinnerungen an die Großeltern

So kam Ostern 1899 heran. Ich wurde am Palmsonntag in der Moritz Kirche konfirmiert.

Am 3. Osterfeiertag reiste ich dann ab von Halle nach Markneukirchen. Ich verließ das Elternhaus um im vorbezeichneten Ort das Musikinstrumentenbauerhandwerk bei meinem Großvater mütterlicherseits zu erlernen. Vorbei die Kinder und Schuljahre. Waren sie oft, oft hart und steinig, so waren die großen Ferien in den Schuljahren, welche ich immer im Vogtlande verbrachte. Herrlich.

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1898 Halle a. Saale

Meine Eltern hatten Verbindung aufgenommen in Halle a. Saale betr. Kaufes einer Gastwirtschaft. Der Kauf kam zustande. Ostern 1898 zogen meine Eltern nach Halle a.Saale. Aber es war ein Reinfall für meine Eltern. Es verkehrten dort Leute zweifelhaften Rufes. Es war dies das „Ritterschlößchen“, Ritterstraße im Centrum der Stadt. Kam ich aus der Schule nach Hause, mußte ich in der Gaststube mithelfen und hörte oft die unsittlichsten Reden.
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1897 Leipzig Eutritzsch

So kam Ostern 1897 heran und meine Eltern zogen von Oberlungwitz nach Leipzig-Eutritzsch, Delitzscher Straße. Meine Eltern mußten alle entbehrlichen Möbel in Oberlungwitz stehen lassen, da dieselben von meinem Vater wegen einer Schuldenlast verpfändet wurden an einen Gerber in Hohenstein-Ernstthal.
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