Juni 1918

Am 6.Juni 18 machten wir eine Dienstreise nach Alechki. Wir fuhren früh 1/ 2 8 in Kachowka ab mit Dampfer nach Cherson, stiegen dort um und ebenfalls mit Schiff nach Alechki. Der Ort war wunderbar. Auch hier spielten wir täglich 2 mal, abends immer von 8-10 Uhr im Park. Das Quartier war hübsch bei Juden. Die Juden sprachen übrigens überall, wo wir waren, deutsch sehr gut. Am 9.Juni spielten wir großes Konzert im Theater mit Ball, (Einnahme ca. 1200 Rubel) desgl. am 11.Juni für die Kameraden (a 30 Kopeken = 300 Rubel Gesamteinnahmen).

Am 12.Juni fuhren wir nach Kachovka zurück. Am 15.Juni war Konzert und Ball im Gymnasium zu Kachovka. Es wurde im Konzertteil von Chorsängern und -sängerinnen die ukrainische Nationalhymne gesungen mit Klavierbegleitung. Dann trat ein Rezitator auf, welcher die Geschichte der Ukraine in Gedichtform zu Gehör brachte. Eine Sängerin verschönerte den Abend durch Lieder in ukrainischer und deutscher Sprache. Eine Pianistin und ein Cellovirtuose trugen ebenfalls zum. Gelingen dieses ukrainischen Nationalfestes bei.

Ein gutes Publikum war vertreten, teils in Nationaltracht auch in Balltoilette. Dauer von abends 9 Uhr bis früh 3 Uhr. Offz. beiderseits waren in großer Zahl vertreten. Wir wurden auch mit Bier, Schnaps und belegten Brot bewirtet. Der ganze Abend hat mich sehr an vergangene Jugendfeste erinnert. Wir spielten auch zum Theater Konzert und Zwischenaktsmusik.

Ein Vorkommnis muß ich noch schildern: Als wir von den anstrengenden Tagen in Alechki zurückkamen, hatten wir an demselben Abend noch im Offizierskasino zu spielen, obwohl wir die letzten Tage keinmal vor 3-4 Uhr früh vom Dienst nach hause kamen. Wir waren sehr ermüdet und schliefen fest im Quartier, wo wir 18 Mann lagen, die anderen einzeln bei Juden.
In dieser Nacht vom 12. zum 13.Juni 18 wurden aus unserem Quartier 1 Taschenspiegel, 1 Paar Hosenträger, 3 Paar Schnürschuhe, 3 Paar Stiefel gestohlen. Die Sache wurde gemeldet. Etwa 8 Tage später entdeckten wir ein Paar Stiefel bei einem Schuhmacher, welcher mit in unserem Quartierhause wohnte. Wir meldeten es sofort im Reg. Geschäftszimmer. Es stellte sich heraus, daß der Mann die Stiefel für 40 Rubel von einem Russen gekauft hatte. Der Schuhmacher wurde sofort verhaftet und nach 3 Tagen auch der Russe im nahen Bereslaw.
Der Schuhmacher wurde wieder entlassen, mußte jedoch 10000 Rubel hinterlegen. Der verhaftete Russe sagte aus, daß er die Stiefel von einem Soldaten hätte. Dadurch wurde die Sache für uns schlimm. Wir kamen in Verdacht, die Sachen selbst gestohlen und verkauft zu haben, da der Russe den Soldaten wiedererkennen wollte. Doch wurde uns der Russe nie vorgeführt. Am 27.Juni war Verhandlung in dieser Sache. Der Schuhmacher erhielt 1 Monat, der Russe 2 Monate Gefängnis. Doch nur wegen Hehlerei, da nicht nachgewiesen wurde, ob dieser oder jener doch nicht die Sachen gestohlen hatte.

Am 23.Juni 18 spielten wir wieder im Gymnasium Konzert und Ball. Auch in Theater und Kino. Dafür gab es immer etwas Geld. Am 28.Juni hatte ich Gelegenheit, der kirchlichen Feier einer russischen Hochzeit in der orthodoxen Kirche zu Nachowka beizuwohnen. Die Trauungsfeier war abend und sehr eindrucksvoll. Besonders die Gesänge des Kirchenchores. Meine Gedanken schwebten da zurück auf das Jahr 1909 wo auch ich an‘ der Seite meiner lieben Frau und Lebensgefährtin vor dem. Altar standen und uns die Hand zum Bunde für das ganze Leben reichten und Treue schwuren.

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Kachowka

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Kachowka 47.530787, 30.444101

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