Juli 1918

So kam der 6.Juli heran, an welchem Tag wir wieder eine Dienstreise machten zum II.Batl. nach Kamenka. Wir fuhren bereits am 5.Juli 18 in Kachowka abends 11 Uhr mit Schiff ab, den Dnjepr-Fluß stromaufwärts und kamen am 6.Juli 18 nachm. 2 Ulhr in Kamenka an.

Auf dem Schiff gab es interessante Bilder und Gruppen. Alles lag durcheinander und schlief auf dem Fußboden. Frauen, Mädchen, Männer, Kinder, Soldaten. Am Tage sah man große wohlgenährte Rinderund Schafherden. Auch schöne Dörfer, dazwischen mal mit ein echtes Russendorf, welches mehr an Rumänien erinnert.

Vom Hafen Kamenka bis zum Ort war 3/4 Std. Weg und schwer, da mächtige Gänseherden. Obwohl wunderbare Obstgärten vorhanden waren, stand das Obst doch hoch im Preise. Quartier erhielten wir in zwei leeren Häusern. Ich kam mit in das Haus zu liegen, in welchem 8 Wochen vorher 6 Personen durch Bolschewisten ermordet wurden. Die Blutspuren waren noch vorhanden. Das Haus hatte ein sehr reicher Jude bewohnt und muß Luxiös eingerichtet gewesen sein.

Wir hatten normalen Dienst. Am ersten Tag abends von 1/2 7 – 8 Uhr Kasino, am 2ten Tag (Sonntags) von 10 – 11 Uhr auf dem Marktplatz, abends im sogen. Park oder Garten zu einer Ludendorfspende (?) Konzert, es wurde auch Theater gespielt. Wir Musiker waren bereits am ersten Tag im ganzen Ort bekannt und fanden überall freundliche Aufnahme. Man kannte schon jeden einzelnen von uns trotz der paar Stunden, die wir erst da waren.

Am 8.Juli 18 fuhren wir bereits wieder ab. Auf der Rückfahrt legten wir in Lipedicha an, wo die 5.Komp. lag, um auch dort zu konzertieren. Der Ort war ein Russendorf und ziemlich verwahrlost. Es gab viele zerfallene Häuser und Hütten. Die Schweine liefen herdenartig auf den Straßen umher. Am Tag unserer Ankunft spielten wir abends von 7- 1/2 9 Uhr am Hafen, am anderen Tag von 10 – 11 Uhr auf dem Dorfplatz. Quartier hatten wir im alten Postgebäude. Nachmittag, am 9.Juli 18, fuhren wir mit dem Dampfer nach Kachowka zurück. Ankunft daselbst abends 11 Uhr. Das Treiben auf dem Schiff war wieder ein‘ wildes Durcheinander. Kurz vor der Landungsstelle in Kachowka hatten wir einen Zusammenstoß mit einem im dunkeln liegenden Dampfer. Die Sache lief jedoch noch gut ab.

Am 12.Juli 18 spielten wir wieder im Gymnasium in Kachowka bei einem ukrainischen Fest, wobei Bier und Wein reichlich für die Anwesenden vorhanden war und auch seine Wirkung hatte.

Am 14.Juli mußten wir wieder eine Dienstreise zum III.Batl. machen. Genannten Tages fuhren wir früh 1/2 8 Uhr mit sieben Leiterwagen von Kachowka ab nach Dimitrievka. Ankunft dort mittags 12 Uhr. Wir wurden die 30 km lange Strecke tüchtig durcheinandergeschüttelt. Hatten abends von 6 – 8 Uhr Platzmusik. Lagen bei russischen Bauern in Quartier. Die Platzmusik war in den umliegenden deutschen Dörfern bekanntgegeben, weshalb auch viele Familien mit Geschirr da waren. Darunter mancher Bekannte, den wir auf dem Schiff bei unseren ersten Dienstfahrten trafen.

Am 15.Juli 18 reisten wir weiter von Dimitrievka nach Agaimon. 40 km. Ebenfalls wieder mit Geschirr. ‚dir bekamen wieder gutes Quartier bei Bauern. Abend 6 – 1/2 8 Uhr Platzmusik. Dabei wurden wir mal tüchtig naß durch Gewitterregen. Der ganze Tag war sehr, sehr heiß. Am anderen Tag spielten wir von 10 – 12 vorm. und 6 – 1/2 8 abends. Desgl. auch am 3ten Tag unseres Aufenthaltes in Agaimon. Wir waren 4 Mann in unserem Quartier und halfen da dem Bauern beim ausdreschen des Getreides mit. Das geschah sehr primitiv. Nachdem ein großer Haufen des Getreides auf dem Dreschplatz im Hof kreisrund ausgebreitet war, wird mit Pferden eine Walze aus Stein und ein mit Messern versehener Schlitten 6 Std. lang darüber gefahren. Zur Beschwerung des Schlittens stellt sich der Bauer darauf und legt auch noch große Steine dazu. Dann wurde das Getreide mit einer alten Putzmaschine gereinigt. Auf diese Art hatten wir etwa 9 Ztr. Gerste ausgedroschen. In diesem Jahr (1918) war der Ertrag der Ernte nicht groß, da der Regen fehlte. Bei guten Ernten ist das Doppelte und mehr an Körnern der Ertrag.

Am 19.Juli fuhren wir dann nach Dimitrievka zurück und anschließend auch gleich nach Kachowka. Die Strecke war 70 km und alles auf kleinen Leiterwagen. Vom Staub sahen wir alle aus wie die Teufel. Man muß bedenken, daß es Straßen in unserem Sinn nicht gab. kaum Feldwege. Es ging einfach in der Richtung auf den Ort zu Über Steppe und Feld und fast immer im Trapp. Wir waren erstaunt, was die kl. struppigen Panjepferde leisteten bei der Tropenhitze. Der Dienst begann nun wieder in gewohnter Weise.

Abends ging ich öfter bei den herrlichen Tagen spazieren. Dabei hatte ich Gelegenheit, einer Zigeunerhochzeit beizuwohnen. Ein solches Fest dauert etwa 8 Tage, und wird mit Essen, Trinken und Tanz ausgefüllt. Der Tanz trägt einen wilden Charakter.

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Dmytrivka

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Dmytrivka 47.936212, 38.939356

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