Die Fahrt nach Paris

Und nun einige besondere Sachen.

Auf der Fahrt nach Paris mußten wir doch über Hannover, dort umsteigen usw. Wir kamen nachts 12.30 Uhr in Hannover an. Und mitten im schönsten Fliegeralarm. Kaum war der Zug im Bahnhof, ertönte es durch die Lautsprecheranlage: „Schnellstens aussteigen, Fliegeralarm, Schutzräume aufsuchen.“ Der Schutzraum war aber der große Quergang unter den Gleisen, von dem die Treppen nach den 5 Bahnsteigen rechts und links hinaufführten. Darin waren nun etwa 500 Menschen zusammengepfercht. Die Flackgeschütze begannen zu donnern und die feindlichen Flieger hörte man brummen. Da fielen auch schon die ersten schweren Bomben in der Nähe des Bahnhofes, daß alles gemauerte erzitterte. Ich zählte etwa 25-30 Einschläge.

Die Brandbomben fielen mit einem pfeifenden Ton während die Sprengbomben rauschten. Um 1/4 4 Uhr früh war die Entwarnung. Alles strömte sofort zu den Bahnsteigen. Um 3/4 4 fuhr unser D-Zug ein, mit 3 Stunden Verspätung durch den Fliegeralarm. Um 4 Uhr fuhren wir los, aber kaum 500 mtr. aus der Halle raus hielten wir wieder.

Wahrscheinlich war etwas auf der Strecke getroffen, und keine Stunde später, also um 5 Uhr ging die Fahrt weiter ohne Zwischenfall nach Aachen. Ankunft dort mittags 12,15 am 16.Mai 1941. Abfahrt von Aachen nachm. 1/2 7 über Lüttich, Brüssel nach Paris. In der Zwischenzeit in Aachen gingen wir Mittagessen, besorgten Grenzübertrittsausweis, Blumen für Helmut und wechselten Geld in franz. Franken um.

In Herbestal.

An unserer Strecke ist bezeichnete Zollstation. Der Zug hält, durch Lautsprecher Anlage ertönt es: „Alle Zivilpersonen mit Gepäck aussteigen zur Zollrevision.“ Es fuhren etwa 250 belgische, holländische und französische Arbeiter, welche in Deutschland dienstverpflichtet waren, mit. Der Zug war Urlauberzug mit Zivilbeförderung.
Wir also auch mit raus, und kamen fast an das Ende der Leute zu stehen. Da sah man Kisten, Säcke, Pakete usw. Wir hatten nur einen kleinen Koffer mit. Gertruds Mantel und Fuchsboa, sowie meinen Überzieher und Hut ließen wir im Abteil unter Obhut der Soldaten.

Da kommt plötzlich ein Zollbeamter mit unseren Sachen und fragt laut: „Wem gehören die Sachen hier!?“ Wir meldeten uns. Er war plötzlich sehr höflich, denn der Unterschied zwischen uns und den Arbeitern möchte groß sein, als er frug wo wir herkämen, wohin und weshalb. Wir wiesen uns als Reichsdeutsche aus, zeigten Grenzübertrittsausweis. Da sprach der Beamte: „Kommen Sie sogleich mit, bei einem solchen Menschenhaufen bleiben Sie nicht stehen. Sie fahren sofort mit weiter. „Er führte uns gleich in die Zollhalle, an den ganzen Leuten vorbei, die da murrten. Wir wurden sehr freundlich behandelt, kein Gepäck von uns wurde durchsucht, und nach 5 Min. waren wir wieder, unter Hallo der Soldaten, in unserem Abteil, worauf der Zug unter Mitnahme von etwa 30 franz.Arbeitern weiterfuhr. Alle anderen mußten warten zum nächsten Zug. Hätte uns auch passieren können, wenn der Zollbeamte nicht gekommen wäre.

Auf der Fahrt durch das Kampfgebiet, soweit wir es bei Tage durchfuhren nach Paris zu, haben wir Zerstörungen nicht gesehen, wo kein Widerstand geleistet wurde. Nicht einmal im stark umkämpften Lüttich. Auf meiner Rückfahrt durch die Maginotlinie sah man etwas mehr. Doch war bereits vieles wieder aufgebaut, denn es sind ja schon an 1 3/4 Jahr vergangen seitdem Einmarsch der deutschen Truppen nach Holland, Belgien und Frankreich.


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