1961 Reise nach Konstanz

Das Jahr 1959 verlief nun in ewigem Gleichmaß so hin. Auch 1960. Gesundheitlich ging es meiner lieben Frau und mir soweit gut, abgesehen von kleinen Unpäßlichkeiten, die ja so ab und zu mal eintreten.

1961 – Unser Sohn Werner, beschäftigt in Konstanz am Bodensee, hatte nun endlich, nach 8 Jahren mit seiner Familie eine Wohnung bekommen, in einem Neubau der Stadt Konstanz. Dies war nun Grund genug, uns nun mal einzuladen.

Wir bemühten uns um einen Interzonenpass, den wir auch bekamen. Und so reisten wir am 20.6.61 nach Konstanz. Ab Leipzig früh 6.43 über Saalfeld, Nürnberg, Stuttgart, an Konstanz abends 22.38 freudig empfangen von ihm und Eva. Wir hatten nun Zeit und Muße genug bis zum 20.7.61 um Konstanz und den Bodensee kennen zu lernen.

Zur Stadt selbst erst: Der Stadtkern ist äußerst interessant. Alte, oft verträumte enge Gassen, saubere, wenn auch sehr alte Häuser mit oft schönen, kunstvollen Bemalungen, welche alte Ereignisse darstellen, auch schöne Fachwerkbauten. Alles sauber und die Fenster mit Blumen, in Kästen gepflanzt, geschmückt. Man kann dies alles gar nicht so in Worten schildern. Kommt man mit dem Zug, durch die Stadt, am deutschen Bahnhof an, ist man auch schon am Hafen. Also sozusagen am Wasser des Bodensee. (Der schweizer Bahnhof ist an den deutschen angebaut.) Von da durch die breiteste Straße – Markstätte – in die Mitte der Altstadt. Es ist alles so anheimelnd, daß man sich gleich wohlfühlt. Die neu erbauten Stadtteile sind breit und gut, vor allem. geradlienig angelegt. Von den alten Befestigungen aus früherer Zeit sind hauptsächlichst erhalten der Pulverturm, der Rheintorturm, der Sehnetzer, Rathaus, Konzil, Münster, Stephanskirche, Obere Sonnen, sind besonders markierte Gebäude. Dann Inselhotel (war 1236 ein Dominikanerkloster).
Die Rheinbrücke, der Stadtgarten sind besonders hervorzuheben. Im Stadtgarten sind Sonntags, auch oft wochentags Konzerte. Von hier aus ist ein herrlicher Ausblick über den Bodensee, daneben anschließend der Hafen, mit seinem Anlegekai für Motorschiffe und Dampfer bis zu 1500 Personen fassend. Dann die kleinen Motorschiffe und Boote fürr Hundfahrten und kürzere Strecken. Ein besonderer Hafen für Fähren, Ruderboote und Tretboote. Da sitzt man im Stadtgarten auf einer Bank und kann das Auslaufen und Einfahrt schön beobachten. Und hinter einem rollt sehr oft die Eisenbahn vorbei.
Da vergehen die Stunden wie im Flug.

Nun hat man auch in Konstanz 4 Stellen, von denen man in die Schweiz gelangen kann, wenn man einen gültigen Ausweis hat. Die Schweizer‘ Alpen waren leider während der ersten 3 Wochen infolge Dunst nicht zu sehen. Erst in der letzten Woche war es 3 Tege lang möglich und sehr gut. Säntis, Altrnano, die Churfürsten, bis nach Österreich und in den Bregenzer Wald hinein. Ein herrliches Panorama. Unser Werner hatte sehr viel aufgeboten, um uns so viel als nur möglich zu zeigen und zu bieten. Und dafür auch hier herzlichen Dank. Desgl. auch für unsere Hildegard, welche uns mit 70 M. von Köln aus bedachte. Waren wir dadurch doch nicht so ganz ohne Mittel und noch etwas unabhängiger. Denn wenn wir durch die Stadt gingen, sah man oft etwas und konnte es kaufen, ohne nochmal von Werner etwas zu erbeten. Das wäre mir furchtbar gewesen und hätte ich den Urlaub vorzeitig abgebrochen.


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