1909 Verlobung, Hochzeit, Flitterwochen

Also durch meine Verlobung mit Frl. Marie Schuster wurde Ruhe und wir zielten nun auf eine, evtl. baldige Heirat hin. Es war doch eine herrliche Zeit. Man hatte seine Arbeit und Verdienst, ich machte mit Musik und hatte dadurch eine hübsche Nebeneinnahme und obendrein manch fröhliche Stunde.

Mit meiner Braut traf ich mich wenig. Täglich waren es nur 4 oft auch 5 mal, spaßig, was!? Wir mußten uns nämlich begegnen, wenn wir zu oder von der Arbeit gingen. Auch besuchten wir meine Eltern in Halle des öfteren.

So verging die Zeit und das Jahr 1909 kam heran. Ich gab meine Stellung in Markneukirchen auf und machte zu meinem Schwager Otto Geiß nach Regensburg. Derselbe wollte mich in sein Magazin und Zeichenbüro. Es war eine Heizungsfirma. Zunächst war ich allein dort. Doch am 29.Juni 1909, also gerade zu meinem 24.Geburtstag, trat ich mit meiner Braut in den Ehestand und aus dem Frl. Marie Schuster wurde Frau Marie Zimmer. Die Trauung war in Markneukirchen. Und da die Kirche gerade hergerichtet wurde ging der bedeutsame Akt im Saal der dortigen Schule vor sich. Während der wohl 4 Monate dauernden Arbeiten in und an der Kirche, waren wir wohl das einzige Paar, daß sich trauen ließ.

Die Trauzeugen waren mein Schwager Faul Lorenz und die Schwägerin, jetzige Emma Zeidler, eine Schwester meiner Frau. nie Hochzeitsfeier war einfach und nur im Familienkreis meiner Frau. Etwas eigenartig hatte es mich gestimmt, daß von meiner Seite aus garniemand anwesend war. Weder Eltern noch Geschwister, noch Verwandte, welche in großer Zahl, die letzteren im Orte selbst wohnten.

Das konnte ich jedoch verstehen, denn ich hab ja schon kurz geschildert, wie man zu meiner, nun ehemaligen Braut, stand. Am anderen Tage reisten wir dann ab von Markneukirchen. Meine liebe Frau verließ nun das Elternhaus für immer, um, im Vertrauen auf mich, an meiner Seite durch das Leben zu wandern. Ich selbst war mir der Bedeutung des allem wohl bewußt, und bis heute bemüht, mein gegebenes Wort getreu zu halten.

Zunächst fuhren wir nur bis Pirk/Vogtl. bzw. Magwitz um die Geschwister meines Vaters nochmals zu sehen. Zwei Tage später reisten wir dann über Adorf, Eger, Wiesau, Weiden nach Regensburg. Wohnung hatte ich schon vorher gemietet in der Von-der-Tann-Str. im Hause eines Distrikts-Rabbiners im Erdgeschoß. Bis wir die Wohnung fertig einrichteten wohnten wir bei meinem Schwager Geiß.

Endlich war unser Nest fertig und waren glücklich. Die Hinterfront des Hauses lag, nur durch schönen Garten getrennt, an einer herrlichen Parkanlage. Jeden Mittwoch und Sonntag hatten wir da Konzert. Im Hause selbst waren der Besitzer Jude, eine Familie Katholiken und wir Protestanten. Aber sonst sehr gutes Verstehen. Abends gingen wir viel an die Donau, ins Jesuitenbräu usw. Auch mal in den Sternbräukeller. Kurz, das Leben war angenehm, wie es eben in Flitterwochen ist.


Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.