1899 Konfirmation und Erinnerungen an die Großeltern

So kam Ostern 1899 heran. Ich wurde am Palmsonntag in der Moritz Kirche konfirmiert.

Am 3. Osterfeiertag reiste ich dann ab von Halle nach Markneukirchen. Ich verließ das Elternhaus um im vorbezeichneten Ort das Musikinstrumentenbauerhandwerk bei meinem Großvater mütterlicherseits zu erlernen. Vorbei die Kinder und Schuljahre. Waren sie oft, oft hart und steinig, so waren die großen Ferien in den Schuljahren, welche ich immer im Vogtlande verbrachte. Herrlich.

Als ich etwa neun Jahre alt war und kam zu den Eltern meines Vaters nach Magwitz bei Pirk i. Vogtl. in die Ferien, da waren gerade die Äpfel reif. Ein Baum, welcher besonders schöne Früchte trug, war so schräg, daß man den Stamm bequem hinauflaufen konnte. Da hat mich mein Zimmergroßvater gar manchmal mit der Ochsenpeitsche runtergeholt.

Meine Zimmergroßeltern hatten ein Bauerngut. Ich trieb mich da auch viel im Kuhstall rum. Einmal fiel ich vom Misthaufen herunter in die Jauche. Da roch ich 8 Tage lang danach.

Dort in Magwitz mußte man auf dem Boden schlafen. Das alte Bauernhaus, welches etwa 350 Jahre stand und im Jahre 1912 abgebrochen wurde, war ein Fachwerkbau und noch mit Schindeln gedeckt. An besonders schadhaften Stellen hat es oft reingeregnet oder hereingeschneit, die Katze sprang nachts über das Bett hinweg, die Tauben hatten ihren Schlag dort, wo das Dach auf der Mauer aufsaß und früh erweckte mich dann das Gurren und Rucku. Nebenan war der Heuboden und darunter der Kuhstall.
Ein Backofen war auch im Erdgeschoß, desgleichen ein Rauchfang, in welchem das ganze Jahr hindurch Speck, Rauchfleisch, Schinken usw. hing. Nebenstehende Skizze veranschaulicht alles.

Wie freute ich mich immer darauf, wenn ich mit dem Ochsengespann aufs Feld mitfahren konnte, heimwärts oben auf dem hochbeladenen Wagen sitzend. Gar schnell verflossen die Ferientage in Magwitz, und anschließend in Markneukirchen bei den Wolframgroßeltern. Dann begann wieder die harte karge Zeit. Soweit eine kurze Schilderung meines alljährlichen Aufenthaltes bei den Eltern meines Vaters. In Markneukirchen, bei den Eltern meiner Mutter war es gleich reizvoll.

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